Grölend protestierten an die 70 kanadische Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer, als Bastian Sick Samstag Abend bei einer Stand-Up Show im Goethe-Institut Montréal einen Satz mit diesen Worten beginnen wollte. "Nein, nicht Amerika, KANADA", tobte die Menge, völlig entsetzt, dass ihr heißgeliebtes Land mit den USA in einen Topf geschmissen wurde. Ein wenig entgeistert meinte "der Dativ", wie sich der Sick selbst stolz grinsend nennt: "Aber wir sind hier doch in Nordamerika". Wieder überrollte ihn ein empörtes "NEIN!!!". Sick kapituliert.
Natürlich sind wir hier in Nordamerika. Da hatte seine kanadische Zuhörerschaft bei seinem Verteidigungsversuch das "Nord" wohl (gewollt?) überhört. Aber dennoch wird selbst eine Koryphäe der Deutschen Sprache (wie sich Sick ebenfalls stolz grinsend zu nennen pflegt) bei dem Versuch, in Kanada von "amerikanischen Verhältnissen" zu sprechen, nahezu gesteinigt. Da hat der Erflolgsautor Kanadas wundesten Punkt erwischt. Und spätestens morgen Abend wird Kanada wieder versuchen, seine Ehre zu retten, diesmal aber auf dem Eis. Es geht darum, die gestrige Olympia-Hockey-Schlappe gegen die USA wieder gut zu machen. Schließlich will man Gold. Aber das auch noch gegen uns. Wenn das jetzt mal nicht die Deutschen hier vor ein kleines Identitätsproblem stellt - na wen feuert man denn jetzt an? Kanada oder Deutschland? Habe mich für Kanada entschieden, erstens, weil ich nur ein Kanada Tshirt habe und keins mit Deutschland und zweitens, weil Hockey für uns nunmal kein Nationalsport ist.
Rivalitäten auf dem Eis, Behauptungsprobleme gegenüber dem großen Nachbarland. Aber nicht nur gegenüber den USA scheint Kanada ein großes Identitätsproblem zu haben - das weiß nun auch die ganze Welt spätestens seit der Eröffnunszeremonie der Olympischen Spiele. Um eines richtig zu stellen, nein, ich tanze nicht den ganzen Tag um einen Marterpfahl und fische oder jage mir mein Abendessen selbst. Selbst wenn der Welt dieses Bild aus Vancouver vermittelt wurde... Dabei hätte dieses Land so viel mehr, so viel schöneres bei der Eröffnung zeigen können als Inuits und Ureinwohner.
Woher diese Behauptungsprobleme kommen, weiß ich noch nicht. Zumindest war der Wunsch, die Amis endlich mal wieder zu schlagen, seitens der Kanadier sehr groß. Aber auch die Deutschen haben so ihre Behauptungsprobleme im Ahornsirupland. Bastian Sick konnte mit seinem Bühneprogramm leider nicht überzeugen. Sein nerviges Grinsen ist ihm während der gesamten Show nicht aus dem Gesicht gewichen. Und nicht nur live, sondern auch "hinter ihm", auf den unzähligen Power Point Folien, die passend zu seinen "Geschichten" gezeigt wurden, grinste uns Bastian Sick vor dem Zuckerhut, neben Udo Jürgens oder anderen deutschen B-Promis wie ihm, an. Wie selbstverliebt muss man sein, um sich bei einer Liveshow gleich doppelt zeigen zu müssen? Und wie überzeugend wirkt der deutsche Sprachwahrer #1, wenn er seine Show mit einer PPP unterstützt und nicht frei spricht, sondern abliest? Seine Show kann man sich sparen, es reicht, sich die Fotos im Internet anzusehen, wenn man auf deutsche Sprachwitzchen steht. Wir Assistenten sind wohl schon zu abgestumpft durch unser Studium und die Arbeit hier.
Das Spiel morgen wird für Kanada hingegen auch mehr ein Witz - was haben sie schon groß vor den Deutschen zu befürchten. Wir können uns auf Rasen nunmal besser fortbewegen. Ziel der Kanadier ist definitiv das Endspiel gegen Amerika und dann Gold. Ich fühle mich weiterhin wohl zwischen den nordamerikanischen Fronten, genau so wie die Deutschen Athleten im aktuellen Medaillenspiegel, schön brav zwischen USA und Kanada, und hauptsache vor Frankreich.
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Im Damen Bobsleigh Kanada Doppelsieg: Gold und Silber vor den USA. Deutschland auf Platz vier. Ja, richtig, ich bereite mich auf meine Prüfungen vor... xxx C
AntwortenLöschendito!!! Unterrichtsvorbereitung? Ach was, ich halte einfach die Stunde vom letzten Halbjahr nochmal ;) Olympiaaa
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