

"Vous partez à l'aventure" sagte der Taxifahrer zu uns, wendete sein Auto und ließ uns wortwörtlich im Regen stehen. Da standen wir also, vor einem angeblichen "Poste d'acceuil" - einem Haupteingang des Parc National de Mont Tremblant, aber ein Zettel in der Fensterscheibe der kleinen Hütte sagte uns nur, dass dieser Bereich des Parks für den Rest der Saison geschlossen sei. Weit und breit keine Menschenseele, nicht enden wollender Regen und bis zum Sonnenuntergang hatten wir noch eine Stunde. Wo also geht es hier zu unserer Hütte???
Nach meinem ersten Besuch im Nationalpark in den
Laurentides hatten Kerstin, meine Mitbewohnerin, und ich uns vorgenommen, das verlängerte Thanksgiving-Wochenende zu nutzen und eine dreitägige Hüttenwanderung in den Bergen zu machen. Und dann am ersten Tag gleich Regen und keine gute Beschilderung. Merde. Also nahmen wir auf gut Glück den Weg, der am ehesten dem auf unserer Karte entsprach und stapften missmutig mit unseren schweren Rucksäcken durch das Laub. Glücklicherweise kam nach einer viertel Stunde das das ersehnte Schild, 1,5km zu unserer Hütte - das einzige Problem war: der schmale Wanderweg führte mitten durch den Wald. Und der Regen hatte bereits den ganzen Weg durchgeweicht. Wir also in Jeans (Wandersachen erfolgreich in München gelassen) mitten durch den Matsch und über Stock und Stein. Aber irgendwann: Erleichterung - wir sahen zuerst ein Klohäuschen, dann eine Hütte und dann das ersehnte Feuer, eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang... Glück gehabt - klappt ja doch mit dem Kartenlesen.
Die Refuges - Hütten - in denen wir übernachteten waren supergemütlich. Bettenlager, Holzofen - aber keine Elektrizität und Toilette draußen. Gottseidank hatten wir die Taschenlampe nicht vergessen. Aber am ersten Abend waren wir eh viel zu müde und ziemlich schnell im Bett.
Wie das in Hütten nunmal so ist, wenn der erste aufsteht sind alle wach. Und wir hatten natürlich wieder Glück: die Wolken vom Freitag hatten sich verzogen und das Wetter sollte bis zum Ende halten. Und so bemerkten wir erst am Morgen, an welch einem schönen See unsere Hütte lag. Herrlich, so aufzuwachen.
Um 9:00 machten also auch wir uns auf den Weg - Etappe #2, Ziel: Refuge du Liteau, 18km (ein bisschen ungewohnt, die Entfernung in km angegeben zu bekommen und nicht in Stunden).


18km sind an sich auch nicht die Welt, aber mit unseren schweren Rucksäcken, in denen sich Essen und Trinken für drei Tage, dazu Kleidung zum Wechseln, Schlafsack und sonstige Dinge befanden, nicht so nahe wir man eigentlich vermutet. Die ein oder andere "nur 10 Minuten den Rucksack ablegen"-Pause musste öfter sein als ich dachte und manchmal hatte ich Angst, Kerstin würde wirklich umdrehen, weil es anstrengender war als sie dachte. Aber sie hat tapfer durchgehalten und die Natur entschädigte alles.
Den Abend verbrachten wir zusammen mit 5 Kanadiern am Lagerfeuer, die anderen Hüttengäste kümmerten sich um das Feuer drinnen. Und mit den nötigen Tipps der anderen Wanderer machten wir uns am Sonntag auf zu Etappe #3: Refuge de la Ouache. Der Weg führte wieder an zahlreichen Wasserfällen und Seen vorbei und viel früher als gedacht (Kerstin: "Mensch das war aber kurz heute, können wir nicht noch'n bisschen weiter gehen?") kamen wir schon an unserer Hütte an. Da wir dieses Mal leider die ersten waren, mussten also wir das Feuer in dem kleinen Ofen anmachen - dank Andis Wochenendhaus in Egling hatte ich ja schon gute "Vorkenntnisse" und auch das hat wunderbar geklappt. Und das Feuer war auch bitternötig, denn innerhalb von einer halben Stunde schlug plötzlich das Wetter schlagartig um, es stürmte, graupelte ein wenig und die Temperaturen fielen unter Null. Wir wärmten uns mit Tee und Tütensuppe und hatten einen netten Abend mit zwei "richtigen" Franzosen und einem Amerikaner.
Letzter Tag. Es war bitterkalt, wir hatten schlecht geschlafen (welcher Idiot hatte das Fenster offen gelassen???) und kurzerhand beschlossen, das nette Angebot der Franzosen zu nutzen, uns nach Mont Tremblant mitzunehmen (sonst hätten wir uns wieder ein Taxi rufen müssen und da wir vergessen hatten, uns die Nummer des Taxiunternehmens aufzuschreiben und uns so den Marsch zum Informationszentrum im Park sparen konnten, nahmen wir das Angebot natürlich dankend an). In Mont Tremblant, einem kleinen Skiresort 20km vom Park entfernt, genossen wir dann wieder die wohlverdiente Zivilisation - heiße Schokolade hat schon lange nicht mehr so gut geschmeckt :) Und müde wie wir waren, nahmen wir dann doch einen Bus früher nach Hause.
Nach einem Berg Fussili, 4 Wäschtrommeln für unsere Kleidung und zwei schönen, langen, heißen Duschen für uns geht ein traumhaftes Wochenende in Kanadas Indian Summer schließlich zu Ende. Das Fazit des Wochenendes: Ich kann Feuer machen und gehe in der "Wildnis" nicht verloren. Und Kanada im Herbst ist einfach wunderwunderschön.