Montag, 3. Mai 2010

Waltzing back

Ca y est... Ich verabschiede mich von 8 1/2 Monaten Kanada, Québec, Französisch und dem Lehrerdasein. Vielen Dank an alle, die mich in dieser unglaublich schönen Zeit begleitet haben, egal ob per Mail, Skype, auf diesem Blog oder hier "vor Ort". Und das größte Dankeschön gilt einem ganz bestimmten und besonderen Menschen, ohne dessen Zureden und dessen Unterstützung ich wohl niemals hätte fahren können. Er würde jetzt wohl sagen: Der Quick Step ist rum, konzentrieren wir uns auf die nächste Runde. Also, AU REVOIR - Montréal; Leaving On A Jetplane in 6 Stunden.

Mittwoch, 7. April 2010

Arrivée...

Ich sitze in meinem Zimmer und betrachte den Koffer, der vollgepackt mit meiner Winterkleidung in der Ecke steht. Daneben eine Tasche mit Papierkram und rund 20 Büchern, die sich während meiner Zeit hier angesammelt haben und die meine Eltern schon nach Deutschland mitnehmen. Und gestern Nacht, als Nora und ich mit dem Bus aus Québec Stadt von unserer Gaspésie-Rundfahrt mit Mama und Papa in Montréal zurückkamen und sich der altbekannte Blick auf die Skyline darbot, war er dann doch da, dieser eine Moment…

Nun gut, genug Melancholie, der Eintrag soll jetzt nicht mit einem Ichwillhiernichtwegblabla enden, denn: Es taucht zwar kurz mal auf, dieses Gefühl, nicht nach Hause zu wollen, hin und wieder, so wie gestern Abend, aber eigentlich hält es sich in Grenzen. Was jetzt wiederum nicht heißen soll, dass ich es kaum erwarten kann, nach Hause zu kommen, schön ists hier ja leider schon. Es soll heißen: ich kann jetzt in Ruhe nach Hause fahren, denn ich kann beruhigt sagen, ich habe mein Kanada endlich gefunden.

Wieso das so schwer war? Irgendwie war ich ja schon die letzten 8 Monate in Kanada, aber irgendwie auch nicht, denn ich war in Québec und damit nicht wirklich in Kanada. Und das versteht man wahrscheinlich auch nur, wenn man hier gelebt hat. Denn ein richtiger Québecer fühlt sich nun mal nicht wie ein Kanadier und wäre am liebsten unabhängig statt „nur“ Provinz. Und das fängt bei der politischen Einstellung an und hört bei Essen, Kultur und vor allem der Sprache auf. Aber auch das Land selbst hat meine Vorstellung vom Naturparadies Kanada bis jetzt nie erfüllen können: Die Berge entpuppten sich als Hügelchen, die Nationalparks rund um Montréal als Naherholungsziel für alle Städter und kleiner als gedacht, kein Elch weit und breit und vom „strengen Winter“ und den „Schneemassen“ wollen wir gar nicht erst reden.

Aber dieses Wochenende war es dann plötzlich da, Kanada, wie ich mir Kanada immer vorgestellt habe; nicht enden wollende Straßen, ein Nationalpark wie er im Buche steht und dann, der Höhepunkt, Québecs Ostküste und der berühmte Felsen-mit-dem-Loch von Percé – kurz: Québec ist doch irgendwie Kanada, man muss dafür nur in die Gaspésie…

Kanada mit Mama und Papa, Percé

Somit ist es gerade kein Ichwillhiernochnichtweg-Gefühl sondern mehr ein tomtom-"Sie haben ihren Bestimmungsort erreicht"-Gefühl. Ich habe zwar keinen Elch gesehen, aber mich des Französischen bemächtigt (ein schöner Genitiv), unterrichtet, mit Vanessa und Nora unvergessliche Momente erlebt und vor allem: im Ausland gelebt. Kanada wird damit unweigerlich zu den Favoritenzielen hinzugefügt, prochaine station: Vancouver -irgendwann...

Sonntag, 14. März 2010

Les Colocs

Wochenende mit meiner WG in der Estrie, einer superschönen Region südöstlich von Montréal.

volinare: Thibault, Ben, ich und Jean-Pascal

Abends spazierengehen in Sherbrooke - einer Stadt, in der es wirklich nichts zu sehen gibt...


Fin Semaine Coloc

Sonntag, 7. März 2010

Having a Tea-Party

3 Tage in der Stadt, in der wilde Tee-Partys gefeiert wurden, wo die Welt-Elite studiert und wo deutsche Assistentinnen auf dem Strich gehen.

Boston

Montag, 22. Februar 2010

"Hier in Amerika"

Grölend protestierten an die 70 kanadische Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer, als Bastian Sick Samstag Abend bei einer Stand-Up Show im Goethe-Institut Montréal einen Satz mit diesen Worten beginnen wollte. "Nein, nicht Amerika, KANADA", tobte die Menge, völlig entsetzt, dass ihr heißgeliebtes Land mit den USA in einen Topf geschmissen wurde. Ein wenig entgeistert meinte "der Dativ", wie sich der Sick selbst stolz grinsend nennt: "Aber wir sind hier doch in Nordamerika". Wieder überrollte ihn ein empörtes "NEIN!!!". Sick kapituliert.

Natürlich sind wir hier in Nordamerika. Da hatte seine kanadische Zuhörerschaft bei seinem Verteidigungsversuch das "Nord" wohl (gewollt?) überhört. Aber dennoch wird selbst eine Koryphäe der Deutschen Sprache (wie sich Sick ebenfalls stolz grinsend zu nennen pflegt) bei dem Versuch, in Kanada von "amerikanischen Verhältnissen" zu sprechen, nahezu gesteinigt. Da hat der Erflolgsautor Kanadas wundesten Punkt erwischt. Und spätestens morgen Abend wird Kanada wieder versuchen, seine Ehre zu retten, diesmal aber auf dem Eis. Es geht darum, die gestrige Olympia-Hockey-Schlappe gegen die USA wieder gut zu machen. Schließlich will man Gold. Aber das auch noch gegen uns. Wenn das jetzt mal nicht die Deutschen hier vor ein kleines Identitätsproblem stellt - na wen feuert man denn jetzt an? Kanada oder Deutschland? Habe mich für Kanada entschieden, erstens, weil ich nur ein Kanada Tshirt habe und keins mit Deutschland und zweitens, weil Hockey für uns nunmal kein Nationalsport ist.

Rivalitäten auf dem Eis, Behauptungsprobleme gegenüber dem großen Nachbarland. Aber nicht nur gegenüber den USA scheint Kanada ein großes Identitätsproblem zu haben - das weiß nun auch die ganze Welt spätestens seit der Eröffnunszeremonie der Olympischen Spiele. Um eines richtig zu stellen, nein, ich tanze nicht den ganzen Tag um einen Marterpfahl und fische oder jage mir mein Abendessen selbst. Selbst wenn der Welt dieses Bild aus Vancouver vermittelt wurde... Dabei hätte dieses Land so viel mehr, so viel schöneres bei der Eröffnung zeigen können als Inuits und Ureinwohner.

Woher diese Behauptungsprobleme kommen, weiß ich noch nicht. Zumindest war der Wunsch, die Amis endlich mal wieder zu schlagen, seitens der Kanadier sehr groß. Aber auch die Deutschen haben so ihre Behauptungsprobleme im Ahornsirupland. Bastian Sick konnte mit seinem Bühneprogramm leider nicht überzeugen. Sein nerviges Grinsen ist ihm während der gesamten Show nicht aus dem Gesicht gewichen. Und nicht nur live, sondern auch "hinter ihm", auf den unzähligen Power Point Folien, die passend zu seinen "Geschichten" gezeigt wurden, grinste uns Bastian Sick vor dem Zuckerhut, neben Udo Jürgens oder anderen deutschen B-Promis wie ihm, an. Wie selbstverliebt muss man sein, um sich bei einer Liveshow gleich doppelt zeigen zu müssen? Und wie überzeugend wirkt der deutsche Sprachwahrer #1, wenn er seine Show mit einer PPP unterstützt und nicht frei spricht, sondern abliest? Seine Show kann man sich sparen, es reicht, sich die Fotos im Internet anzusehen, wenn man auf deutsche Sprachwitzchen steht. Wir Assistenten sind wohl schon zu abgestumpft durch unser Studium und die Arbeit hier.

Das Spiel morgen wird für Kanada hingegen auch mehr ein Witz - was haben sie schon groß vor den Deutschen zu befürchten. Wir können uns auf Rasen nunmal besser fortbewegen. Ziel der Kanadier ist definitiv das Endspiel gegen Amerika und dann Gold. Ich fühle mich weiterhin wohl zwischen den nordamerikanischen Fronten, genau so wie die Deutschen Athleten im aktuellen Medaillenspiegel, schön brav zwischen USA und Kanada, und hauptsache vor Frankreich.

Dienstag, 16. Februar 2010

Ice Age 2 1/2 - Es taut in Kanada

Vancouver hat verregnete Spiele, wir kaum mehr Schnee und in München weiss keiner mehr wohin mit der weissen Pracht - Gerechtigkeit ??? So begann dieses Wochenende die Mission: Kanadischer Winter, wir finden dich schon noch, du kannst dich nicht mehr vor uns verstecken!
Gefunden haben wir aber nicht den Winter, sondern die Eiszeit.

Carnaval in eisigen Gefilden:
Carnaval de Québec

Heute waren aber schon wieder milde -4°C in Montréal und es taut, und taut, ... Wenigstens kann ich abends die Olympischen Spiele live verfolgen und in meiner WG wetten wir seit gestern: "Wer 'von uns' gewinnt im Medaillenranking?" Ein Franzose, eine Deutsche und zwei Kanadier haben sich den Kampf angesagt.

Sonntag, 24. Januar 2010

Drei Schneehasen im Winterwunderland

Wintersport mal anders - Frei nach dem Motto: wir sind ja unter uns und es sieht uns keiner von daheim; probierten Vanessa, Nora und ich dieses Wochenende im Parc National de Mont Tremblant ein paar andere Wintersportarten aus.


Nämlich Raquettes; die Schneeschuhe

...und ski de fond; Ski-Langfall - äh ...-lauf natürlich.

Letzte Woche war bereits Schlittenfahren in Montreal selbst angesagt - glissade auf dem Mont Royal; also mit Reifen den Berg hinunterheizen und das ist auch mit 22 noch le fun.

Und irgendwann schaffe ich es auch noch "ganz normal" zum Skifahren zu gehen. Denn Québec - mon pays, ce n'est pas un pays, c'est l'hiver...

Mont Tremblant Winter

Dienstag, 12. Januar 2010

Reise zum Mittelpunkt der Erde

Völlig am Ende warten wir irgendwo in Ecuador bei geschätzten 35°C, dass der Bus nach Quito endlich weiterfährt. Mittlerweile dudelt schon die 5. Merengue-Megahits-CD vor sich hin (und auf eine ecuadorianische CD passen geschätzt 120 Lieder - wahlweise Salsa, Merengue, Reggaeton, die ich teilweise, was ich zu meiner Schande gestehen muss, schon kannte, die nach 3 Wochen aber selbst mir auf den Geist gingen) und unsere Busfahrer machen gemütlich Mittagspause, während wir schon den 40. Straßenverkäufer ertragen, der in den Bus stürmt und uns Männerunterwäsche, Hängematten oder einfach nur agua andrehen will. Dieses bunte Treiben, das ich am Anfang der Reise noch mit großer Neugierde beobachtet habe, war am Ende selbst mir zu viel. Wir halten also weiter tapfer unsere Wertsachen auf dem Schoß fest, würden für eine Heavy Metal CD alles geben und trösten uns wieder einmal mit einer Banane darüber hinweg, dass in Ecuador nunmal alles nach Ecuatime funktioniert. Kurzer Check, ob auch keiner unser Gepäck geklaut hat, dann mit Klopapier bewaffnet (muss man sonst nämlich kaufen, wenn man an einem Busbahnhof auf Toilette möchte) die Pause genutzt, für 1.25$ ein Magnum erstanden und gottseidank geht es weiter – zurück nach Quito, zurück auf 2900hm, und leider wieder: zurück nach Kanada.


Martin, Felix (Martins Freund aus Karlsfeld), Christoph (Martins Kommilitone in Quito, aus Wetzlar) und ich blicken zurück auf drei Wochen und über 2500km in einem der schönsten Länder, die ich bis jetzt gesehen habe. Es war dank Martin aber nicht nur eine Reise durch das Land, sondern vor allem ein Eintauchen in das Land, in seine Kultur, Sprache und vor allem seine Naturschönheiten. Mein kleines virtuelles Dankeschön an Martin ist folgender Reisebericht. Leider versteht nur er den Titel, allen anderen viel Spaß beim Ecuador-Kennenlernen.

You know you’ve travelled around with somebody who lived in Quito when you’re able to create an Ecuador-ABC

A – Alles Banane!
Rot, Gelb, Grün, frittiert, gegrillt oder ummantelt, als Beilage zu jedem Essen, als Saft, oder „einfach normal“. Hatten wir in Ecuador überhaupt einen bananenfreien Tag? Und selbst ich Bananenmuffel bin irgendwann auf den Geschmack gekommen. Ecuador ist nun mal eine echte republica bananera ;) Aber eine Banane kostete im Schnitt 10cent und ist damit wohl ungeschlagen das billigste Nahrungsmittel.

Ä – Äquator(en)


Weil die Franzosen (!), die zum ersten Mal den Äquator ermittelt haben, sich leider verrechnet haben, besucht jeder Touri Quito zwei Äquatoren, den historischen (aber falschen) und den mit GPS (angeblich) Richtigen (wir haben Geschichten gehört, dass auch der nicht stimmt). Jedenfalls bin ich immer noch am rätseln, wieso der „Wassertest“ ergeben hat, dass sich das Wasser auf der Südhalbkugel andersherum dreht (es muss einfach am Gefäß liegen) und bin nun stolze Besitzerin eines „Ich-habe-es-geschafft-auf-dem-Äquator-ein-Ei-auf-einem-Nagel-zu-balancieren-Zertifikat“ – das geht angeblich nur auf der Äquatorlinie. Sehr glaubhaft wenn keiner weiss, ob sie nun stimmt oder nicht ;)


B – Baños
Silvester verbrachten wir in dem kleinen Städtchen Baños, südlich von Quito. Wir hatten gerade unseren Dschungeltrip hinter uns und fühlten uns noch ein wenig unwohl „back in town“, wollten Silvester dann aber doch nicht im Busch verbringen. Und das war auch eine gute Entscheidung, denn die Ecuadorianer machen aus dem Silvesterabend ein riesiges Straßenfest, das von den Bräuchen ein wenig unserem Faschingstreiben ähnelt. Tagsüber kommt man durch kein Dorf, ohne an einer Art „Faschingszoll“ vorbei zu müssen, in Ecuador machen das aber nicht die Kinder, sondern erwachsene Männer, die sich als Teufel, Yeti oder – Frau verkleiden. In den Tagen vor Silvester werden riesige Papamchée-Puppen gebaut, die bis zu 3m hoch waren und die nationale oder auch internationale Politiker oder andere Persönlichkeiten darstellen, mit denen die Ecuadorianer ein Hühnchen zu rupfen hatten. Denn Punkt 12 werden die Puppen auf die Strasse umgestürzt und auf offener Strasse verbrannt, während sich alle um den Scheiterhaufen herum ein frohes neues Jahr wünschen und natürlich aus jeder Ecke Salsamusik ertönt. Ein unglaubliches Schauspiel, denn an Silvester ist anscheinend der einzige Tag in dem urkatholischen Ecuador, an dem alles erlaubt ist…

C – Cuenca – Stadt der Kirchen und des Panamahuts
Wusstet ihr, dass der Panamahut eigentlich aus Ecuador kommt, und deshalb so heißt, weil ecuadorianische Arbeiter am Bau des Panamakanals mitgeholfen und dabei diesen Hut getragen haben? Nur falls mal jemand bei Wer Wird Millionär teilnehmen will…


D – Durchfall und …
Einmal hat es jeden erwischt =) mindestens…

… Dschungelcamp
4 Tage verbrachten wir im ecuadorianischen „Oriente“ im Osten Ecuadors, die bereits zum Amazonasgebiet gehört: Kanufahren auf dem Cuyabeno River, Tiere beobachten, die man sonst nur aus dem Zoo kennt (darunter Aras, Totenkopfäffchen, rosane Süßwasserdelphine, Krokodile und Piranhas), Wandern durch den Regenwald… Wir wohnten mitten im Busch in einer echten Dschungellodge, wo sich Frosch und Spinne neben meinem Bett Gute Nacht sagten. 4 Tage en pleine nature – definitiv das Highlight der ganzen Reise.

E – Ecuatime
Ein Ecuadorianisches Lebensgefühl, das Martin in den 4 Monaten, die er dort lebt, schon mehr als perfekt umsetzt ;) Will heißen: wir waren eigentlich immer zu spät dran und es lag nicht an der Frau!!! Aber nachdem in Ecuador alles ein wenig „cum tempore“ läuft, habe ich mich nach ein paar Tagen auch daran gewöhnt und versucht, dieses lockere Zeitverständnis ein wenig zu genießen – ich glaube, ein wenig südamerikanisches laisser-faire täte auch der Deutschen Pünktlichkeit ganz gut – ABER NICHT JEDEN MORGEN, MARTIN!!!

F – Frösche in der Dusche
Zweiter Dschungeltag – meistens dachten wir uns: wozu duschen wenn man bei 95% Luftfeuchtigkeit eh gleich wieder den „Davorzustand“ erreicht hat. Aber irgendwann reichte der Sprung in den Rio Cuyabeno doch nicht mehr und die Belohnung war eine Dusche mit einem kleinen Dschungelbewohner, der es sich bis zu meinem Duschplan im Duschvorhang gemütlich gemacht hatte. Als ich den Duschvorhang zuziehen wollte sprang er dann plötzlich aus seinem Versteck, landete an der Duschwand und sah mich mit seinen großen Augen an. Habe mich kurz gefragt, wer hier wohl gerade mehr Angst hat, habe mich für den Frosch entschieden, und mit dem Duschen begonnen.

G – Guayaquil
Die wunderschöne Stadt, von der man als Touri wohl nur den Busbahnhof so schnell wie möglich überleben will. NY in der Vorweihnachtszeit ist nichts dagegen. Und wenn man Pech hat, sieht man von der Stadt auch den Flughafen und das Hilton-Hotel…

H – Hat jemand Kleingeld da? Ich hab nur nen 20$-Schein…
Dass die dummen Touris es auch immer wagen, Bananen für 50cent mit einem 1$ Schein zu bezahlen, ist doch klar, dass man da nicht immer Wechselgeld parat hat… 20$-Scheine sind die höchsten, die in Ecuador (wenn man Glück hat) angenommen werden. Wir hatten schon die kühnsten „Wie-mache-ich-meinen-20$-Schein-heute-am-besten-klein“-Taktiken entwickelt – war lustig! Ansonsten wurden die „Großen Scheine“ auch nie offen zur Schau gestellt sondern brav in der Socke versteckt (nein, nicht die im Gepäck, die, die man getragen hat). Und da sag einer, Geld stinkt nicht…

I – Isla de la Plata
Die „Silberinsel“ war eine unserer letzten Stationen, sie liegt 40km von Puerto López, einer der hässlichsten Hafenstädte die ich seit Spanien gesehen habe, und ist ein Naturschutzgebiet, in dem es ausser ein paar seltenen Vögeln und Gestrüpp nichts gibt ;) klingt einladend oder? Eine Ecuadorianische Familie hatte uns diese Insel empfohlen, die auch „Galapagos für Arme“ genannt wird, weil dort noch ein paar Vogelarten leben, die es sonst nur noch auf Galapagos gibt. Aber weil es auf der Silberinsel seit drei Jahren nicht mehr geregnet hat, wächst dort auch nichts mehr. Somit war ich ein wenig von der Insel mit dem schillernden Namen enttäuscht. Aber es hat sich doch gelohnt, zum einen, weil wir ganz nah an die Vögel heran konnten, zum anderen, weil es ein wunderbarer Spaß war, mit an zu sehen, wie amerikanische Flip-Flop Touristen während der dreistündigen Wanderung unter der prallen Mittagssonne immer mehr Sonnenbrand bekommen haben und wir die einzigen waren, die den Ratschlag unseres Guides, auch genug Wasser mitzunehmen, berücksichtigt hatten.


J – Jugos
Das Beste an Ecuador waren die vielen Säfte, die man in jedem Café (ausser sie waren mal wieder aus ;) ) für 1$ frisch gepresst bekommen hat – Maracuja, Orange, Ananas, Tomate de arbol, Papaya, usw usw…


K – Kamera-Angst
Getarnt in meiner Gerry-Weber-Tasche, die in Kanada eigentlich nur meine schmutzige Wäsche sieht, ist sie durch Ecuador gewandert und hat überlebt. Ich hatte eigentlich nie wirklich Angst um sie, aber dennoch gab es den ein oder anderen Moment, wo man sich gefragt hat: nehme ich die Kamera wirklich mit, sollte ich dieses Foto jetzt wirklich machen? Dadurch ist einem vll das ein oder andere Motiv durch die Lappen gegangen, aber geklaut wurde sie mir nicht.

L – Lost in Translation
Wie überlebt man Ecuador ohne Spanisch zu sprechen? Man kann Italienisch – versteht also alles – und tut einfach so, als könne man es ;) Wird nur doof, wenn der Gegenüber nicht mehr nur erzählt, sondern plötzlich eine Frage stellt, dann ist es nämlich vorbei mit dem „Lächeln und Nicken“. Kurzum, ohne Spanisch ist man in Südamerika definitiv verloren, sobald man die Stadt verlässt. Und die Ecuadorianer waren auch viel entgegenkommender, als sie gesehen haben, dass Martin und Chris fließend sprechen. Zum verhandeln der Taxipreise also unumgänglich – Essen bestellen habe sogar ich hinbekommen und am Markt habe ich sogar besser gehandelt als Martin – das lag aber mehr weniger an meinem SpItalienisch, das hab ich von meinen Eltern 

M – Militärkontrollen und Mindo
Mitten in der Nacht werden wir aus unserem Bus geholt – Militärkontrolle. Verdammt Mist, wo ist die Pass-Kopie? Draußen erwartete uns aber ein ganz anderes Spektakel als erwartet – Männer springen in Frauenkleider herum und versuchen ein paar Cent von den Businsassen zu ergattern, Soldaten stehen gelangweilt herum oder schauen sich belustigt das Spektakel an, zwei Männer kontrollieren pro forma die Rucksäcke und einer begutachtet meine Passkopie. Alles nur Schikane? Jedenfalls ein Vorgeschmack auf den kommenden Silvesterabend.
Als wir im Bus schon fast wieder eingeschlafen waren (was bei diesem Busfahrer und dem im Bus vorherrschenden Gestank echt ein Wunder war), wurden wir wieder herausgezerrt, diesmal eine Kontrolle eines privaten Sicherheitsdienstes, ohne tanzende „Frauen“, dafür aber die Frage nach meinem Pass-Original. Ich fand es ziemlich dreist, dass sich das ecuadorianische Militär mit meiner Kopie zufrieden gegeben hat und diese Firma aber mein Original sehen wollte, aber in dem Fall kooperiert man wohl am Besten und groß diskutieren hätte ich eh nicht können.
Eine sorgenvolle Nacht, denn Felix und Chris mussten an diesem Abend einen späteren Bus nehmen, da beide Busse voll waren. Es war die legendäre Nacht der geklauten Chipstüte…

Andere Baustelle: die tollste „Kinderspielplatzseilbahn“ für große Kinder – Ziplinen über dem Nebelwald von Mindo. Fotos von mir hat leider Martin. Hier ein Bild von ihm in der „normalen Position“ – mehr hat Martin an dem Morgen auch nicht geschafft, weil er sich am Abend davor auf einer ecuadorianischen Familienfeier in unserem Hostel mit Selbstgebranntem abgeschossen hat (was ihm bis Silvester eine alkoholfreie Zeit beschert hat ;) ) Aber man konnte auch kopfüber und im „Superman-Style“ ziplinen. Riesenspaß.



N – Nationalpark Cajas
Wanderung #2 in einem wunderschönen Nationalpark bei Cuenca, eine Mischung aus österreichischer Almlandschaft und Hobbit-Land. Schööön.


O – Otavalo
Der erste Ausflug ging in das kleine Städtchen Otavalo, berühmt vor allem für seinen Markt mit den typisch ecuadorianischen Tüchern, Decken, Ponchos und anderen Kitsch. Und irgendwie trugen in Ecuador nur die Touris die „typisch ecuadorianischen Taschen“ – komisch… ;)


P – Pichincha
Meinen ersten 4000er bestiegen wir an Heilig Abend und feierten somit ein bisschen Weihnachten auf 4690m. Ein wolkenloser Tag, wie es ihn in Quito nur ein paar Mal im Jahr gibt, bescherte uns eine unglaubliche Sicht über die Stadt und auf die 5000er um uns herum. Ein tolles Gefühl.
Der erste Teil der Wanderung war leicht, aber aufgrund der Höhe und der dünnen Luft mussten wir doch öfters stehen bleiben als gedacht. Dann kam ein etwas hässlicheres Geröllfeld und dann der tollste Teil, die Kletterpartie zum Gipfel – wozu Sicherheitsseile wenn es auch ohne geht?
Im Eilschritt ging es dann wieder hinab, schließlich warteten Mama, Papa und die Omis auf den Weihnachtsanruf. Weihnachten mal anders.


Q – Quito


R – Reis, Reis, und schon wieder Reis
Ein echt ecuadorianisches Abendessen bekommt man für 2-3$ in kleinen Restaurants, die manchmal ein bisschen gewagt aussehen (meinst du die haben hier einen Kühlschrank?), aber im Durchschnitt ganz gutes Essen gemacht haben – und vergleichen konnte man die Restaurants ganz gut, denn schließlich servierten uns alle das Selbe: erst eine Suppe (wozu die Hühnerbeinknochen aus der Suppe fischen wenn man sie in mundgerechte Stücke schneiden kann und dem Gast in der Suppe auch servieren könnte???) und danach Hühnchen mit Reis, Bohnen, Bananenchips und einem Löffel Salat. Dazu meistens eine selbstgemachte Limonade. Über die Frage „con patatas fritas?“ haben wir uns manchmal gefreut wie kleine Kinder über ein Weihnachtsgeschenk.

S – Straßenverkäufer
Sie drehten uns alles an – vorzugsweise im Bus. Dann springen die Verkäufer (Kinder, Frauen, Männer) einfach auf (der Bus fährt ja eh immer mit offener Tür) und preisen ihre Ware lauthals den Insassen an: gefälschte DVDs, Merengue-Mega-Hits Vol. 20937, Unterwäsche, Getränke, kleingeschnittenes oder vorgeschältes Obst, Uhren und Sonnenbrillen, Bananenchips, uvm. Dinge, die die Welt (nicht) braucht.

T – Toilettennutzungsregeln
Regel #1: Bring auf Reisen immer dein eigenes Klopapier und die eigene Seife mit.
Regel #2: Wirf das benutzte Toilettenpapier niemals in die Toilette, sondern in den danebenstehenden Eimer, denn sonst verstopft das ecuadorianische Klo schnell mal
Regel #3: Im Dschungel immer den Klodeckel schließen, sonst könnte es passieren, dass ein Frosch sich am nächsten Morgen darin befindet.

U – Und schon wieder im Bus…

V – Vulkanland


W – Der Wasserpreisvergleich:
Ecuador: 1,5l: 60cent.
NY: 1l: 2$

X – SupermaXi und MegamaXi
… so heißen die großen und noch größeren Supermarktketten in Quito ;)

Y – Ya no puedo más ;)

Z – Zu guter Letzt:
Wieso ich für die Tatsache, dass ich aus Ecuador ausreisen wollte, 40$ zahlen musste, ist mir immer noch ein Rätsel ;) Und ich werde wohl noch eine Woche warten, bevor ich wieder zum ersten Mal Salsatanzen gehe. Aber das erste, was mir auf dem Weg NY-Montréal im Nachtbus auffiel, war die fehlende Musik.

Es war zwar nicht immer spaßig, als „Gringo“ (so nennen die Einheimischen die Touristen) permanent angestarrt zu werden, und auch der permanente Kampf um den „Einheimischentaxipreis“ oder das ständig wache Auge auf seine Wertsachen haben uns oft genug gezeigt, wie „zivilisiert“ wir doch leben. Aber keine menschliche Schikane konnte dem Land seine landschaftliche Schönheit und Vielfalt nehmen. Und wenn man sein permanentes Misstrauen hin und wieder einmal beiseite gelassen hat, hat man feststellen müssen, dass die Ecuadorianer herzensgute und hilfsbereite Menschen sind, die manchmal in Nachtbussen „nur“ eine Tüte Chips klauen… Un país tanto chévere!!!