
"Yours to discover" steht auf den Nummernschildern der kanadischen Autos, die in Ontario gemeldet sind. Wenn das mal kein Aufruf ist. Also, viel Spaß:
Auf nach Upper CanadaIm Moment realisiere ich noch gar nicht, dass ich hier die nächsten 8 Monate leben werde. Denn im Moment fühlt sich noch alles wie Urlaub an. Kaum war mein Zimmer in Montréal eingerichtet und die Koffer verstaut ging es auch schon los: raus aus Québec, auf nach Ontario.

Erster Stopp:
Ottawa - es ist kaum zu glauben, dass ein so weites Land so eine süße kleine Hauptstadt hat: gerademal 800.000 Einwohner, Spitzname: "Westminster of the Wilderness", sagt doch eigentlich alles oder? Trotzdem spricht diese Wahl sehr für dieses Land - denn damit liegt Kanadas Hauptstadt direkt an der Nahtstelle zum frankophonen Québec und dem anglophonen "Rest". Aber das wisst ihr ja sicher alles.

Ein wenig schockierend ist nur, wenn man vor dem Kanadischen Parlament steht und plötzlich zur vollen Stunde die Glockentöne des Big Ben hört. Aber anscheinend fand Queen Viktoria das vor 150 Jahren ganz lustig, ein bisschen Londonflair in die neue Kanadische Hauptstadt zu bringen - selbst die Wachen mit ihren Pelzmützen und der typischen Wachablöse wurden exportiert. Wie sagt mein Reiseführer so schön: Wer das hier gesehen und gehört hat, kann sich den Besuch in London sparen - vielleicht nicht ganz, aber da ist was dran.
Nach einer Führung durch das Regierungsgebäude, Steak mit Caesar's Salad & Fries und einer richtig kitschigen
Light-Show, bei der das ganze Parlament beleuchtet und die Geschichte sozusagen "auf das Parlament" projiziert wurde, während eine Stimme einem alle paar Minuten versicherte, wie einzigartig Kanada doch sei (Patriotismus Pur) - ging es dann die nächsten Tage weiter am Lake Ontario über
Kingston und
Cobourg, nach...
...Toronto.

Hier stieß dann Mia dazu, die ebenfalls als assistante in Montréal arbeiten wird und - wie ich - früher angereist war. Zusammen mit Olga, einer Polin, die wir in unserem Hostel kennengelernt hatten, auf zu Sightseeing und Fototour. Olga, die seit 10 Jahren in Chicago lebt, ließ die Stadt ziemlich kalt - "Looks just like any other North American City!" meinte sie nur, Mia (wie viele andere auch) fand Toronto richtig hässlich, und ich hab alle genervt, weil ich alle zwei Meter ein Foto machen wollte. Das lief dann mit meiner kleinen Großen EOS ungefähr so ab: Kamera auf Bauchhöhe halten, nach oben winkeln, abdrücken - das neue Objektiv wirds schon richten:


Es hat auch nicht lange gedauert bis die Zwei genug vom rumlaufen hatten und der Abend an der Hostelbar zu Ende ging. (@ Philipp: Mia meinte nur, ihre Beine wären so schwer und ich musste sooo lachen...). Kurze Bilanz des Abends: Nichts über unser Augustiner, aber das Bier hier - ce n'est pas mal du tout! (not bad at all!)
Am nächsten Tag hielt uns auch nicht mehr viel in Toronto und wir fuhren mit Greyhound zu den Niagara Falls ([naɪˈægrəˈfɔ:lz] wurde ich belehrt!) Schon beeindruckend - aber sooo groß sind die gar nicht. Haben dann natürlich an der
Maid of the Mist Tour teilgenommen, der Schifffahrt, die einen direkt an die Fälle heran bringt, in den lustigen blauen Regencapes, die alle Touristen bekommen. Ihren Namen haben die Boote von den wahren "Jugfrauen der Gischt", irokesische Mädchen, die in Kanus oder anderen Booten den Fällen geopfert wurden. So weit kam es mit uns zum Glück nicht, peinlich waren die Regencapes trotzdem... Aber was solls, sah ja jeder so aus. Und von ganz nah wurde einem dann doch die Größe und Gewalt der Fälle bewusst.


Leider täuscht aber die schöne Idylle auf den Fotos von den Fällen, denn Casinos, Hotels, Fastfood-Läden, Souvenirshops, Aussichtstürme und Fahrgeschäfte prägen das Bild um dieses Naturspektakel herum. Ein einziges Family Fun Little Las Vegas. Wers mag...



Am nächsten Tag begann dann meine Mission: Skyline fotografieren. Nach einer kleinen Tour durch Chinatown und Torontos "Neighbour- hoods" - einem Viertel, das vor allem von europäischen Auswanderern geprägt ist ("Little Italy" um nur eins davon zu nennen") ging es mit einem Ausflugboot auf die Toronto Islands vor der Stadt: Naherholungsgeebiet für die Städter (inklusive Vergnügungspark und kleiner Fluglandebahn - sehr erholsam), Fotokulisse für mich. Und nach ein paar Stunden warten und 7 Mückenstichen hatte ich sie dann, meine Skylinebilder.

Letzter Tag in Toronto: haben uns noch die Uni angesehen, die übrigens sehr schön ist, und dann endlich: die Shopping-Outlets. Während die anderen schon auf dem Heimweg waren glühte meine Kreditkarte noch ein wenig bei Tommy Hilfiger und Co. und dann ging es auch für mich mit dem Nachtbus zurück nach Montréal. Noch fühlt es sich an wie Urlaub. Aber in ein paar Tagen beginnt der Alltag.